Studienfahrt Polen 2026

Studienfahrt Polen 2026

Begegnung, Erinnerung und neue Freundschaften

Eine Premierenfahrt der besonderen Art: 52 Schülerinnen und Schüler sowie sechs Lehrkräfte der Gustav-Heinemann-Schule Hofgeismar und der Heinrich-Grupe-Schule Grebenstein reisten vom 19. bis 25. April nach Krakau – um polnische Kultur zu entdecken, sich der deutschen Geschichte zu stellen und neue Freundschaften zu schließen.

In den frühen Morgenstunden des Montags in der zweitgrößten Stadt Polens angekommen, nutzten die Jugendlichen die Zeit bis zum Check-in um 15 Uhr gleich produktiv: Sie erkundeten die historische Altstadt, schlenderten durch das jüdische Viertel Kazimierz und besichtigten die Alte Synagoge. Den ersten langen Tag rundeten die Lehrkräfte mit Zapiekanki ab – einem typisch polnischen Straßensnack, der die Gruppe direkt in die lokale Alltagskultur eintauchen ließ.

Am Dienstag stand das „Zentrum der Macht“ des alten Polens auf dem Programm: die Burg Wawel, einstige Residenz der polnischen Königinnen und Könige. In der dortigen Kathedrale konnten die Gruppen die Ruhestätten bedeutender Persönlichkeiten und Nationalhelden besichtigen. Am Nachmittag folgte eine Führung durch Oskar Schindlers Emalienfabrik, die heute als Museum die deutsche Besatzung Krakaus von 1939 bis 1945 dokumentiert. Den bewegendsten Moment des Tages brachte jedoch ein persönliches Zeugnis: Anna Janowska-Ciońćka, 1936 als Hanna Kleinberg in Krakau geboren, schilderte eindringlich das Schicksal ihrer Familie unter der nationalsozialistischen Herrschaft. Ihre Worte waren Mahnung und Auftrag zugleich – ein Erinnern, das verpflichtet. Beiden Schulen ist es ein ausdrückliches Anliegen, Frau Ciońćka für ihre Zeit und ihr Vertrauen zu danken.

Mittwoch und Donnerstag standen ganz im Zeichen des Holocaust.

Am Mittwoch besuchte die Gruppe das Stammlager Auschwitz I. Schon der Eingang mit dem zynischen Schriftzug „Arbeit macht frei“ machte deutlich, dass man einen Ort betrat, der sich jeder alltäglichen Vorstellungskraft entzieht. In den ehemaligen Häftlingsblöcken wurden die systematische Erfassung, Demütigung und Vernichtung der Opfer dokumentiert. Was dabei am stärksten nachwirkte, waren nicht die Zahlen – so unfassbar sie sind –, sondern die persönlichen Gegenstände: Tonnen von Haaren, tausende Koffer mit Namen und Adressen ihrer einstigen Besitzerinnen und Besitzer, Berge von Brillen und Kinderschuhen. Diese stummen Zeugnisse gaben den statistischen Millionen plötzlich Gesichter, Namen, Schicksale. Viele Schülerinnen und Schüler standen schweigend vor den Vitrinen – Worte fehlten.

 

Am Donnerstag folgte der Besuch von Auschwitz II-Birkenau – und damit die Konfrontation mit dem industriellen Kern des Vernichtungssystems. Das weitläufige Gelände, die schier endlosen Reihen an Baracken, die zerstörten Gaskammern und Krematorien, die die SS bei ihrem Rückzug zu sprengen versuchte, um die Spuren ihrer Verbrechen zu tilgen – all das machte das Ausmaß des Mordens auf eine Weise bewusst, die keine Schulbuchseite und keine Dokumentation je vollständig erfassen kann. Die vierstündige Führung durch die sogenannte Zentralsauna, in der neu angekommene Häftlinge registriert, geschoren und entmenschlicht wurden, sowie durch die Überreste der Vernichtungsanlagen hinterließ eine Stille in der Gruppe, die lange anhielt. Es ist diese Stille, die bleibt – und bleiben soll. Denn die Auseinandersetzung mit Auschwitz ist keine abgeschlossene Unterrichtseinheit, sondern eine fortdauernde Verpflichtung. In diesem Sinne gilt der oft zitierte, aber nie veraltende Satz von George Santayana: „Wer sich einer Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen.“

Doch die Reise bot auch Raum für Aufbruch und Begegnung. Die Stadt Kalety empfing die beiden Schulen mit herzlicher Gastfreundschaft: Bürgermeister Klaudiusz Kandzia und Schulleiter Dr. Krzysztof Lisiecki begrüßten die Gruppen offiziell in der Adam-Mickiewicz-Schule. Nach einem Programm mit deutsch-polnischer Moderation und traditionellen schlesischen Gedichten verlagerte sich die Begegnung in die Sporthalle – und nahm dort eine spontane, unvergessliche Wendung. Was als kurze Tanzeinlage geplant war, entwickelte sich zu einem gemeinsamen, ausgelassenen Tanzen, als die deutschen Schülerinnen und Schüler kurzerhand ihr eigenes Repertoire einbrachten und die polnischen Gleichaltrigen begeistert mitmachten. Das Programm war längst vergessen – übrig blieb echter Austausch. Nach einem Besuch im Rathaus und einem gemeinsamen Mittagessen erkundete die Gruppe das idyllische Erholungsgebiet „Zielona“. Solche Begegnungen, jenseits von Tagesordnungen und Lehrplänen, sind es, aus denen echte Verbindungen entstehen.

Am Samstag trat die Gruppe die Heimreise nach Nordhessen an – mit vielen wertvollen Eindrücken, Erfahrungen und Erinnerungen im Gepäck, die weit über den Unterricht hinauswirken werden.

Abschließend danken beide Schulgemeinden ausdrücklich der Sanddorf-Stiftung und der Axel-Springer-Stiftung für ihre großzügige finanzielle Unterstützung, ohne die diese Fahrt in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.